| Die Bürgerstiftung Dülmen hat zu Beginn ihrer Tätigkeit einen Schwerpunkt in der Jugendarbeit gesetzt. Hierfür wurden in den ersten Jahren des Bestehens erhebliche Mittel aus dem Spendenaufkommen bereitgestellt. Für einen späteren Zeitraum ist eine Ausweitung und Verlagerung der Tätigkeitsschwerpunkte auf andere Förderzwecke gemäß Satzung geplant. |
Abenteuer Lesen (alljährlich)
Das Projekt ERWACHSEN WERDEN an Dülmener Schulen
Ziele des Projekts bzw. des Engagements
Unmittelbar nach der Gründung der Bürgerstiftung Dülmen wurde im Vorstand und im Stiftungsrat lange, ausführlich und sorgfältig über denkbare Projekte für die Bürgerstiftung diskutiert, wobei sich mehrere Kriterien herauskristallisierten, die vorrangig an die zu fördernden Projekte anzulegen sind:
Die von der Bürgerstiftung geförderten Projekte müssen demnach
Anders als bei den meisten übrigen Vorschlägen schienen nach intensiver Prüfung bei dem auch von den deutschen Lions geförderten Projekt Erwachsen Werden/Lions Quest alle diese Anforderungen erfüllt. Es handelt sich um ein Programm, bei dem Lehrer an weiterführenden Schulen dafür ausgebildet werden, mit all den Herausforderungen behutsam und sachgerecht umgehen zu können, mit denen Kinder und Jugendliche heute konfrontiert werden. Das Programm versucht, den sozialen Gefährdungen und Fehlentwicklungen bei Kindern und Jugendlichen und den daraus entstehenden Konflikten durch ein altersgerechtes, vorbeugendes und nachhaltig wirksames Training entgegenzuwirken. Das Programm wird wissenschaftlich begleitet (Prof. Hurrelmann/Uni Bielefeld), und alle bisher vorliegenden Untersuchungen und Rückmeldungen weisen eine außerordentlich hohe Akzeptanz, Zufriedenheit und Wirksamkeit aus.
Welche gesellschaftlichen Probleme oder Fragen greift das Projekt auf?
Das Programm versucht, durch frühe Einflussnahme im schulischen Bereich vorbeugend zu wirken gegen Aggression, Gewalt, Drogenkonsum, Rassismus, Jugendkriminalität, Diskriminierung, Mobbing, aber auch Gleichgültigkeit, Orientierungs- und Wertemangel, Motivationsarmut. Kurz gesagt bedeutet dies: Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung so zu stärken, dass sie nein sagen können zu all den Gefährdungen und Ansinnen, die nicht in ihrem eigentlichen Interesse von Autonomie und Selbstbestimmung liegen.
Wie können andere von dem Engagement profitieren?
Die Idee, mit einem größeren Wurf zu beginnen, nach Möglichkeit alle weiterführenden Schularten in der Stadt in das Programm einzubinden und damit alle ca. 600 Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Jahrgangsstufe 5 zu erreichen, nahm schnell Gestalt an. Sie wurde den Schulleitungen und Schulkonferenzen der Schulen vorgetragen und fand schnell eine unerwartet hohe Akzeptanz: alle sieben weiterführenden Schulen in der Stadt Dülmen - drei Hauptschulen, zwei Realschulen und zwei Gymnasien - waren bereit, sich schon im ersten Jahr zu beteiligen. Die Vorbereitungen und notwendigen Absprachen für die Durchführung des ersten Seminars im Jahr 2001 wurden getroffen, und gleich im ersten Jahr wurden ca. 25 Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet, in der Regel die Klassenlehrer/-innen der zu betreuenden Jahrgangsstufe 5.
Von dem Engagement der Bürgerstiftung profitieren inzwischen ca. 1800 Schülerinnen und Schüler am Schulstandort Dülmen, die mit den Inhalten, Ansätzen und Methoden des Programms vertraut gemacht wurden und das Gelernte in ihrem täglichen Zusammenleben nicht immer, aber doch mit merklichem Erfolg umsetzen. Die Breitenwirkung des Programms ist auch durch die Einbeziehung der Eltern beträchtlich.
Die Nachfrage aus benachbarten Kommunen nach Ausbildungsplätzen in den Seminaren für Lehrer wie auch die Verbreitung des Programms durch die Entstehung ähnlicher Initiativen z. B. in der benachbarten Kreisstadt Coesfeld können als Indikator für die Wertschätzung des Programms gesehen werden.
Die Bezirksregierung Münster zeigt großes Interesse an dem Konzept und hat bereits im letzten Jahr damit begonnen, die Auffrischungsseminare durch Freistellung der Trainerin und durch Integration in ihr eigenes Fortbildungsangebot zu unterstützen. Damit tritt der durchaus bemerkenswerte Effekt ein, dass öffentliche Träger sich aus einer privat initiierten Maßnahme nicht etwa zurückziehen, sondern sich einklinken und eigene Beiträge leisten.
Inwiefern leistet das Programm einen Beitrag zur Bildung in Deutschland?
Das Programm ist vorrangig auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet. Da Schülerinnen und Schüler heute nach dem Ausweis aller einschlägigen Untersuchungen und Studien einen hohen Bedarf an Unterstützung und Anleitung in allen weiter oben genannten Bereichen aufweisen, kann gerade dieses Programm notwendige Voraussetzungen für eine verbesserte Bildung schaffen.
Welche Aspekte des Engagements sind innovativ und können Vorbildcharakter für andere Projekte bzw. Vereine haben?
Das Konzept Erwachsen werden existiert seit vielen Jahren und ist somit nicht neu. Innovativ ist der Ansatz der Bügerstiftung Dülmen insofern, als er nicht auf die Initiative und das Interesse einzelner Lehrerinnen und Lehrer setzt, sondern eine ganze Kommune und alle Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgänge erfasst und für ein stabiles, längerfristig und nachhaltig wirksames Engagement sorgt. Der Ansatz von wiederkehrenden Ausbildungsseminaren, Rückkopplungsveranstaltungen zum Erfahrungsaustausch der beteiligten Lehrerinnen und Lehrer sowie Nachfragen und Umfragen bei den beteiligten Schulen soll die Qualität und Wirksamkeit belegen und sichern helfen.
Außerdem hat sich bereits jetzt erkennbar die Kommunikation, der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Schulen und vor allem auch zwischen Lehrerinnen und Lehrern unterschiedlicher Schulformen merklich verbessert.
Welche Erfolge hat das Projekt bzw. das Engagement vorzuweisen?
Die Umsetzung der in den Seminaren erworbenen Kompetenzen und Methoden war von Anfang an überaus erfolgreich. So weisen es jedenfalls die Nachfragen und Umfragen bei den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern sowie bei den Schulleitungen aus. Inzwischen ist das Projekt im achten Jahr angelangt. Mit der Teilnahme an den Seminaren sind nunmehr weit Ÿber 100 Lehrerinnen und Lehrer an Dülmener Schulen ausgebildet worden. Für einen von Teilnehmern angeregten und auch von uns zur Qualitätssicherung und Evaluation als wünschenswert angesehenen Erfahrungsaustausch wurde jeweils nach ca. einem dreiviertel Jahr ein Folge- und Austauschseminar angeboten. Alle Schulen nehmen auch acht Jahr nach dem Start weiter an dem Projekt teil und stellen in den meisten Fällen eine zusätzliche Stunde in der Jahrgangsstufe 5 für die Durchführung bereit. Inzwischen ist das Programm fester Bestandteil des Schulprogramms an allen beteiligten Schulen.